boat people projekt
Nina de la Chevallerie, Regisseurin, und Luise Rist, Autorin, sind die Gründerinnen des boat people projekt. Unter diesem Label schreiben und inszenieren sie Theaterstücke, gemeinsam mit Menschen, die aus verschiedenen Kulturen stammen. Im Verlauf des Jahres 2009 ist ein afrikanisch-europäischen Ensemble entstanden, mit dem das Stück LAMPEDUSA realisiert wurde.
Nina de la Chevallerie hat langjährige Erfahrung als Projektleiterin im Bereich Theater- und Video-Performance, an Stadt- und Staatstheatern sowie in der Freien Szene.
Luise Rist war Dramaturgin am Deutschen Theater in Göttingen (1999 -2007). Seit 2007 ist sie freiberuflich als Autorin. Ihre Theaterstücke werden vom Verlag der Autoren, Frankfurt am Main, publiziert.
boat people projekt steht für Theaterproduktionen, die im engeren und im weiteren Sinne mit dem Thema Flucht zu tun haben. Manche Menschen sind auf der Flucht, obwohl sie den Ort, in dem sie geboren wurden, noch nie verlassen haben. Andere kommen aus Afrika oder Asien, manche von ihnen erreichen Europa auf dem Meerweg, sie werden boat people genannt. Der Begriff wurde in den 1970er Jahren aus dem amerikanischen Sprachgebrauch übernommen. Er bezeichnet ursprünglich die in der Folge des Vietnamkriegs aus Südostasien geflohene Menschen, zumeist vietnamesischer Herkunft. Heute wird er auch für Personen in anderen Weltregionen verwendet, die in Booten über das Meer fliehen.
Die Bewohner von Lampedusa haben andere Namen für die täglich eintreffenden Afrikaner: disgraziati, die Unglücklichen, sagen sie.
Unsere Theaterstücke sind politisch, weil sie konkrete Ereignisse und Geschichten von Flüchtenden erzählen. Unsere Theaterstücke sind poetisch, weil wir das dokumentarische Material zu einer Fiktion verdichten.
Die Beschäftigung mit Fluchtwegen, mit der Lebenssituation von Flüchtlingen, mit der Frage nach Identität im Illegalen führt uns auf Wege und fruchtbare Umwege. Mittlerweile haben wir ein großes Netzwerk, zu dem einige politische, soziale und kulturelle Einrichtungen gehören, sowie Menschen in unserer Umgebung, in anderen Städten Deutschlands und anderen Ländern. Wir sind im Kontakt mit vielen Flüchtlingen, ein paar von ihnen spielen bei unseren Produktionen mit.
Menschen, die nach Europa flüchten und in Deutschland ankommen, leben hier in Unterkünften, die sich in abgelegenen Dörfern oder in Industriegebieten am Stadtrand befinden, so dass die meisten Deutschen im Alltag kaum etwas von ihnen bemerken.
Mit unserer Arbeit möchten wir den Flüchtlingen eine Stimme geben und sie sichtbar machen.
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